ETF Namen sind nicht Schall-und-Rauch

Wissen Sie, woher die Redensart … das ist nur Schall und Rauch … stammt? Von Goethe und zwar aus Faust Teil 1. Da versucht Faust sich beim Thema Religion herauszureden. Sie wissen schon: die Gretchenfrage, also … wie hältst Du’s mit der Religion? … .

Die Namen, die Fondsgesellschaften ihren Fonds geben, sind nicht Schall-und-Rauch, sondern etwas auskunftsfreudiger und sie folgen einem Schema. Unsere Gretchenfrage lautet daher: warum heißt der Fonds denn so?

Prinzipiell gibt es diese Namensbestandteile:

  1. wer ist der Fondsanbieter
  2. welchem Index folgt der Fonds
  3. welchen Regularien gehorcht der Fonds
  4. welcher Anteilsklasse gehört der Fonds an
  5. Ausschüttung, Wiederveranlagung, Replikation, Steuerdomizil, Währungsabsicherung, …

Hier ein einfaches Beispiel: ISHARES CORE DAX® UCITS ETF (DE)

Teil 1 – iSHARES: der Herausgeber ist die BlackRock Asset Management, andere Beispiele wären db x-trackers = deutsche Bank, comstage = Commerzbank, Lyxor = Societe General, …

CORE als Zusatz beschreibt eine spezielle Anteilsklasse

Teil 2 – DAX: dieser Fonds bildet den Deutschen Aktienindex DAX nach

Teil 3 – UCITS: ist die Abkürzung für „Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities“, also auf Bankerdeutsch „Organismus für gemeinsame Anlage in Wertpapieren“ (OGAW).
Diese Fonds unterliegen besonderen Berichtspflichten gegenüber dem Anleger. Sie sind daher „anlegerfreundlich“, weil eine Menge an Berichten (Halbjahres- und Jahresberichte, spezielle Verkaufsprospekte [KID], etc.) veröffentlicht werden müssen. Zumindest das KID (KundenInformationsDokument) sollte man vor einer Investition gelesen haben bzw. vom Berater erklärt bekommen haben.

In diesen Bereich fallen noch die Begriffe SICAV (société d’investissement à capital variable), zu Deutsch „Investmentgesellschaft mit variablem Grundkapital“ für in französisch sprechenden Ländern aufgelegt Fonds und open-ended investment company (kurz: OEIC), für Fonds aus Großbritannien. Diese Begriffe meinen im Prinzip das gleiche wie die oben beschriebenen Begriffe OGAW/UCITS.

Im Teil drei steht auch noch „ETF„: damit ist klargestellt, dass die veranlagten Gelder Sondervermögen sind und bei Konkurs der Depotbank/Fondsgesellschaft nicht Teil der Konkursmasse sind. Ein wesentlicher Vorteil für den Anleger! Es ist eine Abgrenzung zu den ExchangeTradedProducts (ETN, ETC) Produkten. Diese handeln mit Gütern (Rohstoffen, Lebensmitteln, etc.) –> ganz andere Baustelle.

Teil 4 – Anteilsklasse (im obigen Beispiel nicht vorhanden): hier können verschiedene (leider nicht genormte) Zahlen/Buchstabenkombinationen stehen. Details dazu finden sich im Fondsprospekt.

Teil 5 – der Rest: hier sammelt sich an, was uns ein Fondsanbieter noch alles mitteilen möchte. Interessant sind folgende Texte:

  • Länderkürzel (DE): der Fonds ist in Deutschland aufgelegt. Ist für deutsche Staatsbürger relevant, weil steuerlich anders behandelt.
  • EUR Hegded: bedeutet eine Absicherung gegen Währungsschwankungen, steht meist in Verbindung mit „EUR“, wenn die Fondswährung bspw. in USD ist.
  • A, ACC, D, DIS: entweder werden Gewinne ausgeschüttet (D, Dis = distributing) und dem Konto gutgeschrieben oder fondsintern wieder veranlagt (A, ACC = accumulating).
  • 1Y, 1Y – 10Y (Anleihefonds): bei Anleihen kann noch die (Rest)Laufzeit der enthaltenen Anleihen notiert werden. Hier kann auch „short“ stehen und damit sind kurz laufende Anleihen gemeint.
  • short (Aktienfonds): diese Fonds sind so konstruiert, dass sie bei fallenden Kursen Gewinne machen.
  • 1c, 2c: Beschreiben Anteilsklassen, davon können u.a. Gebühren und Mindestinvestmentsummen abhängen.
  • 1x, 2x, leveraged, double: bezeichnet „Hebelprodukte“. Hier kann auf eine erwartete Kursbewegung (auf oder ab) gesetzt werden und der Gewinn wird „multipliziert“. Der Nachteil: hier ist ein Totalverlust bei einer gegenteiligen Kursbewegung möglich und auch wahrscheinlich. Nur etwas für Experten!
  • Government, Sovereign, Treasury: diese Fonds enthalten Staatsanleihen
  • Inflation linked (Anleihefonds): Rendite des Fonds steigt mit der Inflation.
  • High Yield (Anleihefonds): Fonds enthält Anleihen mit schlechterer Bonität, aber dafür höherer Verzinsung (höheren Couponzahlungen), weil höheres Risiko als bspw. österreichische Staatsanleihen.

Sie sehen, es gibt ein paar Regeln bei der Fondsbeschriftung die einem ETF Investor einiges an Informationen liefern können. Wer sich damit nicht oder nur am Rande beschäftigen will, meldet sich bei mir. Ich helfe gerne weiter. Termin gibt es hier.

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