Edmund Pelikan: Monetäre Demenz (eine Zusammenfassung)

Ich bin in den letzten Tagen auf ein sehr interessantes Booklet gestoßen:

Edmund Pelikan: Monetäre Demenz – 10 Gebote der Anlegermündigkeit (zu finden bei Amazon als gedruckte Version oder als eBook um knapp 5€)

Schon im Vorwort spricht mir der Autor aus der Seele:

Jeder Autokauf wird zelebriert: da wird informiert, getestet, mit Freunden darüber diskutiert und dann gekauft. Einige Jahre später wird das Auto wieder ausgetauscht, weil es etwas Besseres gibt.

Und bei der Geldanlage? Schnell rein, nicht nachdenken, unterschreiben und wieder weg. Wie beim Zahnarzt – da ist auch jeder froh wenn es vorüber ist.

Warum ist das so? Es fehlt an Wissen im Umgang mit Geld und damit sind die Menschen unsicher und anfällig für einfache, altbekannte Lösungen.

Hier sind seine 10 Gebote:

  1. Glaube nie der Politik in Sachen Geld!
    Wie oft hören wir, wie sicher unser Geld ist, wie erfolgreich der Euro ist, wie gut unsere Bankenaufsicht wirkt. Alles nur zu unserem Besten. Und dann gibt’s da das HypoAlpeAdria Desaster (hier hat nicht nur die FMA versagt), die nicht enden wollenden „Spenden“ an Griechenland (eigentlich an die Gläubiger = Banken) usw.
    Wähler lieben auch Steuergeschenke, obwohl sie diese immer selber bezahlen müssen. Und Politiker verteilen diese, damit sie wiedergewählt werden.
  2. Der Staat schützt nicht Dein Geld – er will es!
    Gerade beim Geld wird von den Politikern massiv versucht, uns hinter das Licht zu führen. Als Beispiele können Sie das Thema Bankgeheimnis nehmen (wird mehr oder weniger abgeschafft) oder die Versuche, das Bargeld einzuschränken (warum wohl? Geld auf Konten lässt sich leichter kontrollieren und einkassieren).
    Der Staat hat die uneingeschränkte Macht, die Gesetze so zu beschließen, dass er im Vorteil ist. Was heute als sicher gilt, kann morgen ganz anders aussehen: heute gelten Immobilien als sichere Wertanlage und morgen kann es eine Zwangsanleihe darauf geben (Sie dürfen dem Staat einen gewissen Prozentsatz des Immobilienwertes überweisen und erhalten das Geld in den nächsten dreißig Jahren mit Minizinsen wieder zurück).
  3. Umverteilungspolitik wird zur Regel
    Reich verteilt an Arm – Bund verteilt an Land – Norden an den Süden. Aber es weiß keiner so richtig, wie die immensen Staatsschulden wieder abgebaut werden können (außer man greift zu Maßnahmen wie unter 2 beschrieben). Einziger Vorteil: die Refinanzierung ist so billig wie noch nie.
  4. Viele Wirtschaftstheorien sind widerlegt. Es zählt der gesunde Menschenverstand!
    Nicht jede Theorie bestätigt sich in der Praxis:
    John Maynard Keynes war der Meinung, dass staatliche Eingriffe in das Wirtschaftssystem absolut notwendig sind. In Zeiten einer Hochkonjunktur muss Geld gespart werden, damit es in Krisenzeiten für stimulierende Eingriffe verfügbar ist. Gute Idee – leider vergessen unsere Politiker immer auf das Sparen, sondern geben IMMER mehr Geld aus als da ist. So funktioniert das System leider nicht.
  5. Ökonomen denken und publizieren ihre Meinung, entscheiden musst Du selbst!
    Zum Thema Wirtschaft wird viel publiziert, Untergangsszenarien sind groß in Mode. Die durch die Griechenland-Rettung aufgelaufenen Schulden werden uns noch viele Jahre belasten. Wer immer mit frischem Geld rechnen kann, wird nie ökonomisch handeln.
    Um all das zu finanzieren werden Sparer noch lange unter Minimalzinsen leiden, Versicherungen gezwungen sein, in Staatsanleihen zu veranlagen (ebenfalls zu fast Nullzinsen).
    Wohin also mit dem eigenen Geld? Sachwerte wie Rohstoffe (Gold, Silber, Holz), Investmentfonds oder Aktien kaufen. Immer unter Berücksichtigung einer Liquiditätsreserve.
    Pelikan zitiert J-P. Juncker: Wir beschließen etwas, warten einige Zeit ab, ob etwas passiert. Wenn kein großes Geschrei ertönt, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter. Daher so meint der Autor, sind Proteste gegen neue Beschlüsse so wichtig.
  6. Rating kommt von raten, da die Agenturen in die Vergangenheit blicken!
    Ratingagenturen dienen der Orientierung, sind aber alles andere als zuverlässig. Man nehme nur die US Immobilienkrise von 2008: da wurden faule Kredite in neue Produkte verpackt mit bestem Rating verkauft. Man rechnete damit, dass die Immobilienpreise in den USA einfach immer weiter steigen werden – offensichtlich ein Irrtum.
    Jede Zeitreihe (Hochrechnung) endet irgendwann z.B. durch eine bahnbrechende Erfindung.
  7. Es gibt keine sichere Geldanlage, nur Streuung schafft eine gewisse Risikodiversifizierung!
    Vermeintlich sichere Geldanlagen (Sparbuch, Festgeld, etc.) vernichten die Kaufkraft des Geldes auf Grund der niedrigen Zinsen und der Inflation. Daher muss Geld, das nicht kurzfristig benötigt wird, antizyklisch und gestreut veranlagt werden.
    Auch wenn es zu jeder Veranlagung immer negative Beispiele gibt, ist es für den Kaufkrafterhalt notwendig, möglichst breit, also in verschiedenen Anlageklassen, zu investieren.
    Manchmal verliert man bei einer Anlageklasse, dafür steigen andere umso mehr.
  8. Es bleibt keinem erspart, sich im Thema Finanzen zu bilden!
    Beim Thema Finanzbildung sieht es düster aus. Viele sind der Meinung, davon viel zu wenig zu wissen. Außerdem „über Geld redet man nicht“ – natürlich ein grundfalscher Grundsatz.
    Wer seine Zinsen am Girokonto und Sparbuch nicht kennt, wer nicht weiß, wie viele Zinsen ein Kredit oder die Kontoüberziehung kostet, wer nicht die Grundregeln des Prozentrechnens intus hat, der wird finanziell scheitern. In den Schulen wird meist veralteter Stoff gelehrt und die falschen Produkte als sicher dargestellt: Anleihen sind sicher, Aktien sind unsicher (so etwas haben nur Spekulanten). Dass große und erfolgreiche Vermögensverwalter so nicht agieren, versteht sich von selbst.
  9. Kauf nicht, was Du nicht verstehst!
    Würden die Menschen mehr von Finanzwissen haben würden sie weniger auf unseriöse Angebote hereinfallen.
    Aber selbst Profis (wie die Finanzdirektoren mancher Bundesländer) verstehen nicht immer, was sie da mit dem Steuergeld anstellen und schließen bspw. Zinswetten ab. Wenn diese dann schiefgehen, sind die Finanzberater schuld – logisch, oder?
    Anmerkung: die Stadt Linz hat ja auch ganz intelligente Wetten abgeschlossen und will jetzt den Verlust von der Bank gedeckt haben.
  10. Bleibe entspannt, denn Du kannst Dich dem System nicht entziehen!
    Wir als Bürger werden uns den Gesetzen nie entziehen können. Wichtig ist eine gute Ausbildung und die Fähigkeit, nach einem Zusammenbruch wieder neu anzufangen und etwas aufzubauen.

In seinen Schlussgedanken schreibt Pelikan:

  • Wir entscheiden selbst autonom, im Bewusstsein unserer Beeinflussbarkeit und Emotionalität
  • Wir schieben die Schuld nicht primär auf andere, sondern tragen Verantwortung für unser monetäres Handeln
  • Wir bilden uns regelmäßig und lebenslang in Sachen Geld weiter
  • Wir tragen Sorge, dass auch die kommenden Anlegergenerationen, ob unsere Kinder, Schüler, Studenten oder junge Nachwuchsmanager, nachdenkt über das Thema Geld

Ich kann das Büchlein (Booklet) sehr empfehlen.

Über den Autor (dem Buch entnommen):

Edmund Pelikan war nach seinem Abitur und einer finanzwirtschaftlichen Ausbildung zunächst in diversen Banken tätig. Seit 2000 arbeitet er als Wirtschaftspublizist, Experte für Anlegerpsychologie und Finanzfaktenkontrolle sowie als Unternehmensberater. Schwerpunktthemen seiner Arbeit sind Sachwertanlagen, nachhaltige Geldanlage, Finanzpolitik sowie Neurofinanz.

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